EMIL MANGELSDORFF & WILSON DE OLIVEIRA

Do 26.10.2017, 20 h • SR Funkhaus Halberg

Emil Mangelsdorff zählt zu den profiliertesten Solisten und Komponisten des deutschen Jazz. 1925 geboren, ist er einer der wichtigsten Zeitzeugen für die Entwicklung des Jazz in Deutschland seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Nach Saarbrücken kommt er mit einer Rhein-Main All Star Band, die mit dem bulgarischen Startrompeter Mihail Yossifov zum Sextet erweitert wird.

©Lichtbildatelier, Darmstadt

Wilson de Oliveira ist 1945 in Montevideo in Uruguay geboren. Er spielt Klarinette und Saxophon. John Coltrane ist sein Vorbild, dessen Stücke er immer wieder gerne spielt. 1965 kam er nach Europa und wurde dann in der Nähe von Frankfurt heimisch. 1975 – 2005 war er Saxophonsolist der HR Bigband. Viele Tourneen, Auftritte auf Jazzfestivals, zahlreiche Rundfunk- und Fernsehmitschnitte und die Tätigkeit als Solist, Leader und Arrangeur bei der Frankfurt Jazz Big Band machten ihn zu einem gefragten Jazzmusiker. Powerjazz mit Charme und Charakter, und ein Leben ganz für die Musik: zu seinen musikalischen Weggefährten in einer langen Karriere zählen Arturo Sandoval, Clark Terry, Toots Thieemanns, Billy Cobham, Chet Baker und viele mehr.

Mihail Yossifov ist einer der anerkanntesten Vertreter der jungen bulgarischen Jazzszene. Mihail ist gleichermaßen den musikalischen Traditionen seiner Heimat als auch dem modernen Swing verbunden. Er spielt eine wunderbar weiche Trompete und wurde bereits mehrfach als Botschafter der bulgarischen Kultur ausgezeichnet.

Sebastian Laverny ist ein ausgezeichneter Pianist, Dirigent und Komponist. Er leitet Orchester und Chor des Mainzer Staatstheaters, hat sich aber auch dem Jazz verschrieben. Er war vereits mehrfach Gast des Jazz-Syndikats. Zusammen mit Götz Ommert und Gerald Stütz bildet er seit vielen Jahren eine perfekt swingende Rhythmus-Gruppe.

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Gestohlene Momente wurden zu bewegenden Momenten

GESPRÄCHSKONZERT MIT DEM JAZZ-MUSIKER UND ZEITZEUGEN EMIL MANGELSDORFF

18. Januar 2017 im Landtag von Rheinland-Pfalz

Bilder: A.Linsenmann

Gestohlene Momente – davon gab es viele im Leben von Emil Mangelsdorff, der als junger Swing-und Jazz-Musiker die Unterdrückung durch den Nationalsozialismus selbst erlebte. An einen erinnert sich der heute 91-Jährige besonders klar: Er ist noch keine 18 Jahre alt, da wird er von der Gestapo in Frankfurt verhört. Die Tür im Gestapo-Keller hinter ihm fällt zu, er dreht sich um – die Türklinke an der Innenseite fehlt. In dem Moment wird ihm klar, dass er der Willkür der Nazis ausgeliefert ist. Ob und wann er wieder herauskommt, weiß er nicht. Dabei hat er nur Musik gespielt.

Von diesen und anderen gestohlenen Momenten erzählte der 1925 geborene Jazzmusiker Emil Mangelsdorff beim Gesprächskonzert im Landtag Rheinland-Pfalz, wenige Tage vor dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Was sich nicht in Worte fassen ließ, drückte er mit seinem Saxofon aus. Begleitet von Thilo Wagner am Klavier, spielte er Jazzstücke u.a. von Charlie Parker und Bennie Goodmann – große Musiker, deren Kunst die Nationalsozialisten als entartet bezeichneten und verboten.

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